Oops, I did it again
Ging dann doch schneller, als ich dachte. "Fallschirm" ist mein Beitrag zu etwas mehr Diversität im Literaturbetrieb, zumindest was die Form betrifft. Warum nur haben wir die Novelle so lange ignoriert? Hier ist mein Plädoyer für die Lang-Erzählung, äh, nein, den Kurz-Roman... Was denn nun eigentlich?
"Fallschirm"
Ich war ziemlich gestresst davon, während den ersten vier Monaten der Pandemie meinen Alltag zu bewältigen - wie wahrscheinlich jeder von uns. Da war nix mit Yoga-Tutorials im Internet oder viel Musikhören, Vinylplatten sauber machen und so weiter. Je mehr Newsletter mit dem Titel "So entschleunigst du jetzt richtig" ankamen, umso wütender wurde ich.
Im August, als ich zum Schreiben eine Woche an den Wandlitz-See fuhr, da kam es dann wieder. Zwar habe ich da auch nur 3 1/2 Seiten zu Papier gebracht, aber es war ein Anfang. Mir geisterte diese Geschichte eines alten Farmerpaares im Kopf herum, so wie bei "Wenn der Wind weht". Die sprechen auf ihre ganz eigene Weise miteinander (oder weitestgehend auch nicht), und plötzlich, nachts, raschelt es in der Eiche und ein Soldat landet in den Ästen. Sie wissen nicht, wie es ihn dahin verschlagen hat, aber er hat etwas dabei...
Dieses Setting, dieses analoge, sperrige, antiquierte Setting auf dem Hof mit Schwein und Kuh, das ist jedoch nicht etwa im 2. Weltkrieg oder früher angesiedelt, es ist die Zukunft. Unsere Zukunft. Wenn alles so weitergeht wie jetzt, dann...
Das ist meine erste Dystopie, und ich war so sicher, dass ich daran scheitern würde. Aber ich wusste, ich kann das nur, wenn ich mir ein ganz stabiles Framework baue und dem Ganzen eine Form gebe, die es mir verbietet, abzuschweifen. Und sowas macht eine klassische Novelle. Sie ist eine längere Erzählung, kein Roman. Sie springt nicht zwischen den Orten, alles ist etwas reduzierter. Mit der Einleitung darf man sich ganz viel Zeit nehmen und den Showdown, wenn es denn einen gibt, den kann man ganz kurz fassen. Ansonsten: immer schön beim Protagonisten bleiben oder eine Metapher reintun, das kommt immer gut. Ideal. So hat das dann auch geklappt: ein halbes Jahr lang habe ich dran geschrieben und jeden Satz so durchgelutscht, wie er euch nun vorliegt.
Wir müssten alle viel mehr Novellen schreiben und lesen! Warum muss es immer epischer Roman sein?
"Fallschirm" mit seinen 154 Seiten und 13 Illustrationen gibt es gedruckt und als Kindle.
Ab heute, hurra!